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Kritik: The Social Reckoning

 
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Autor: Peter Osteried
 
2010 erzählte THE SOCIAL NETWORK vom Aufstieg Facebooks und von Mark Zuckerberg, der aus einer Idee für Studenten ein Unternehmen machte, das die Welt verändern sollte.
 
David Fincher inszenierte, Aaron Sorkin schrieb das Drehbuch. Nun kehrt Sorkin selbst zu diesem Stoff zurück. THE SOCIAL RECKONING ist jedoch keine Fortsetzung im klassischen Sinn. Der Film handelt davon, was aus der großen Idee geworden ist – und welchen Preis eine Gesellschaft dafür zahlt, wenn Wachstum wichtiger wird als Verantwortung.
 
Die Whistleblowerin
 
Frances Haugen (Mikey Madison) arbeitet bei Facebook und stößt bei ihren Untersuchungen auf alarmierende Zahlen. Demnach werden viele Nutzer extremistischer Gruppen nicht zufällig dorthin geführt, sondern durch Facebooks eigene Mechanismen. Haugen versucht, intern auf das Problem aufmerksam zu machen. Doch ihre Warnungen stoßen auf wenig Interesse. Schließlich nimmt sie Kontakt zu Jeff Horwitz (Jeremy Allen White), einem Reporter des Wall Street Journal, auf.
 
 
Facebook gegen die eigene Idee
 
Von hier aus entwickelt Sorkin einen Thriller, der immer stärker von realen Ereignissen eingeholt wird. Die Pandemie verändert den Alltag, politische Spannungen nehmen zu, schließlich kommt es am 6. Januar 2021 zum Sturm auf das Kapitol. Der Film verbindet diese Entwicklungen mit der Frage, welchen Anteil soziale Netzwerke daran haben, wenn Wut und extreme Positionen immer größere Reichweiten erzielen.
 
Grundlage sind die Recherchen des Wall Street Journal, die unter dem Titel „The Facebook Files“ veröffentlicht wurden. Sorkin macht daraus aber keinen trockenen Tatsachenbericht. Er interessiert sich für Menschen, Entscheidungen und die Mechanismen eines Unternehmens, das längst so groß geworden ist, dass kleine Änderungen am Algorithmus enorme gesellschaftliche Folgen haben können.
 
Jesse Eisenberg kehrt nicht als Mark Zuckerberg zurück. Stattdessen übernimmt Jeremy Strong die Rolle. Er spielt Zuckerberg kühl, kontrolliert und fast vollständig auf die Entwicklung seines Unternehmens konzentriert. Besonders deutlich wird das, als es um eine Änderung des Algorithmus geht, durch die emotionale und wütende Beiträge stärker verbreitet werden. Der Film zeichnet daraus das Bild eines Konzerns, der die Folgen durchaus erkennt, aber nicht bereit ist, auf Wachstum zu verzichten.
 
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Drei Geschichten greifen ineinander
 
Sorkin erzählt auf mehreren Zeitebenen und gliedert den Film zusätzlich in Kapitel. Trotzdem wirkt THE SOCIAL RECKONING nicht zerfasert. Die einzelnen Handlungsstränge rücken langsam aufeinander zu und ergeben erst nach und nach ein Gesamtbild.
 
Dabei erlaubt sich Sorkin auch formale Spielereien. Früh sieht man beispielsweise nur die Füße marschierender Menschen. Was diese Bilder bedeuten, bleibt zunächst offen. Erst später, als die Handlung den Januar 2021 erreicht, bekommen sie ihren Zusammenhang.
 
Gerade solche Momente sorgen dafür, dass aus einem Film über Algorithmen, interne Untersuchungen und Unternehmensentscheidungen tatsächlich ein Thriller wird. Sorkin besitzt weiterhin die Fähigkeit, komplizierte Vorgänge verständlich zu machen, ohne daraus Unterricht zu veranstalten.
 
Die dunkle Seite des Traums
 
THE SOCIAL RECKONING wirkt wie das Gegenstück zu THE SOCIAL NETWORK. Dort entstand etwas Neues, hier sieht man, was daraus geworden ist. Besonders deutlich wird das an Frances Haugen. Sie beginnt nicht als Gegnerin Facebooks. Im Gegenteil: Sie glaubt an die ursprüngliche Idee, Menschen miteinander zu verbinden. Erst als sie erkennt, dass niemand die Konsequenzen bestimmter Entscheidungen ernsthaft angehen will, wird sie zur Whistleblowerin.
 
Darin steckt die eigentliche Tragik des Films. Aus einem digitalen Treffpunkt ist eine Maschine geworden, die Konflikte belohnt, weil Konflikte Aufmerksamkeit erzeugen. Sorkins Film legt nahe, dass andere Entscheidungen möglich gewesen wären. Sie hätten nur Geld gekostet.
 
Fazit
 
THE SOCIAL RECKONING ist gut, aber wird er etwas bewirken? Schon die Veröffentlichungen des Wall Street Journal sorgten zwar für Schlagzeilen, verschwanden aber bald wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Der Film dürfte es ähnlich schwer haben. Gerade deshalb bleibt am Ende eine unangenehme Frage hängen: Wie wird es mit der Facebook-Geschichte wohl weitergehen?
 
 
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