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Kritik: Verity - Dunkle Geheimnisse

 
sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Hurra! Die alljährliche Colleen Hover-Verfilmung kommt ins Kino!
 
You must have questions (SPOILER)
 
Die junge Lowen Ashleigh (Dakota Johnson in ihrer Paraderolle als ebenso attraktive wie doofe Person, die mit allem überfordert ist) ist eine noch recht unbekannte und wenig erfolgreiche Autorin. Da kommt das Angebot für sehr viel Geld die nächsten drei Bücher der Beststeller-Autorin Verity Crawford (Anne Hathaway, in einer Rolle für die sie hoffentlich auch sehr, sehr viel Geld bekommen hat) als Ghostwriterin zu verfassen, natürlich sehr gelegen. Diese Verity kann nach einem Autounfall nicht mehr schreiben und die gute Lowen ist viel zu doof, um an der Stelle weitere naheliegende Fragen zu stellen. Weil Lowen ohnehin gerade delogiert wurde, kommt ihr das zusätzliche Angebot des attraktiven Ehemanns der Bestseller-Autorin (Josh Hartnett in seiner dümmsten Rolle seit „Pearl Habour“), zum Schreiben zu dem Ehepaar in seine abgelegene Villa zu ziehen, mindestens ebenso recht.
 
Diese Villa sieht nicht nur aus wie das Wochenendhaus eines Bond-Bösewichts, liegt an einem einsamen See, in dem bereits eines der Kinder des Ehepaares ertrunken ist und ist mieser beleuchtet als das Haus in dem Norman Bates‘ Mama wohnt. Nein, dort darf Lowen auch feststellen, dass Verity deshalb Mühe mit dem Schreiben weiterer Bestseller hat, weil sie nach einem Autounfall ein katatonischer Pflegefall ist. In Veritys Arbeitszimmer stößt Lowen auf eine Art Tagebuch der Autorin. Und weil die junge Frau nun wirklich mindestens so doof wie attraktiv ist, nimmt sie das Geschriebene natürlich sofort ernst und fängt in weiterer Folge eine Affaire mit dem Ehemann an, bevor dann alles wirklich verworren und einfach nur noch dämlich wird.
 
Das Phänomen ist nicht neu. Weil man in Hollywood immer auf der Suche ist nach Stoffen, deren Verfilmungen sichere Renditen versprechen, hat man dort immer schon gerne Filme nach aktuellen Beststellern gedreht. In den Fünfzigern und Sechzigern hat man alles möglich von James Michener verfilmt. Bis in die Achtziger hinein wurde alles Mögliche von Harold Robbins verfilmt. In den Neunzigern hat man dann angefangen jeden Einkaufszettel von John Grisham zu verfilmen, nur um uns ab der Jahrtausendwende mit Verfilmungen des Mists zu langweilen, den Nicholas Sparks regelmäßig zwischen zwei Buchdeckel pressen ließ. Und weil jede Zeit die Bestseller bekommt, die sie verdient, dürfen wir uns nun seit einiger Zeit jedes Jahr über eine neue Colleen Hoover-Verfilmung freuen.
 
 
Leider konnte ich bei Filmen wie „Nur noch ein einziges Mal“ oder zuletzt „Für immer ein Teil von Dir“ nicht viel Grund zur Freude entdecken. Und auch „Verity“ entspricht wieder dem üblichen Hoover-Erfolgsmuster. Eine ohnehin schon hanebüchene Ausgangssituation wird durch ebenso unwahrscheinliche wie unlogische Entwicklungen noch weiter verkompliziert und dramatisiert, bis für Menschen mit einem IQ oberhalb der Raumtemperatur gar nichts mehr Sinn ergibt und für Fans der Bücher von Colleen Hoover und deren Verfilmungen wohl alles erst so richtig unterhaltsam wird …? Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was in Menschen vorgeht, die sowas lesen oder freiwillig anschauen und will es auch gar nicht wissen.
 
In „Verity“ zum Beispiel hat lange vor dem Einsetzen der Handlung ein Mordversuch stattgefunden, der von der Polizei als Unfall eingestuft wurde. Man weiß ja, dass es um die Qualität der Arbeit der Exekutivorgane in den USA nicht gut bestellt ist. Aber diesen inszenierten „Unfall“ hätten sogar die Keystone-Cops durchschaut. Später kommt es dann zu einem Mord, der wiederum als Unfall eingestuft wird, obwohl jede oberflächliche ärztliche Untersuchung der Leiche dem widersprochen hätte. Ach ja, das überlebende Opfer des Mordversuchs kontaktiert mehr als ein halbes Jahr nicht die Behörden. Was sie stattdessen während dieser Zeit alles treibt, kann nur im Kopf von Colleen Hoover und den Köpfen ihrer Fans Sinn ergeben.
 
Mein Lieblingsteil des Films ist die Nebenhandlung um einen schwer traumatisierten kleinen Jungen, von dem man im Lauf der Handlung erfährt, dass er tatsächlich noch viel mehr zu ertragen hatte, als man vermutet hat, nur damit die Macher am Ende so tun, als hätte das Kind ein halbes Jahr voller belastender Geheimnisse ebenso vergessen und ausgeblendet wie Colleen Hoover und Drehbuchautor Nich Antosca das aus reiner Bequemlichkeit beim Verfassen dieses ganzen Unsinns getan haben.
 
Aber nicht nur die Handlung ist Mist. In Büchern oder Filmen über Schriftsteller*innen sollte man immer Vorsicht walten lassen, wenn es darum geht, das Werk der fiktiven Autor*innen zu zeigen. In „Verity“ darf uns Anne Hathaway so ziemlich den übelsten Mist vorlesen und vorspielen, den wir im Kino zu sehen bekommen haben, seit man uns Pia Zadora in „Lonely Lady“ als geniale Autorin verkaufen wollte. Aber für die miese Schreibe der Bestseller-Autorin gibt es ja durchaus Entsprechungen im realen Leben. Immerhin hält es Colleen Hoover für raffiniert, einer Figur, die im Laufe der Geschichte mit der Wahrheit spielt, den Namen „Verity“ (zu Deutsch: „Wahrheit“) zu geben. Man könnte auch sagen, „Verity“ ist eine autobiografische Schöpfung.
 
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You are a brilliant, undiscovered voice
 
Das erkennt man auch an den strohdummen Dialogen im Film. Unsinn wie, „A writer’s voice should be honest and bloody and a little bit terrifying” oder “I was his drug and he was mine” werden hier komplett unironisch und in vollem Ernst vorgetragen. Die mit Abstand dümmsten Dialogzeilen darf Dakota Johnson vortragen. Ich möchte hier nur eine hochtrabendsten und dümmsten Zeilen dieses Kinojahres zitieren. An einer Stelle beschimpft Lowen eine andere Figur: „You selfish, machiavellian cunt!“. Wenn Frau Johnson Dialogstellen wie diese von sich geben und eine Figur darstellen muss, die einerseits zu doof für so ziemlich alles ist, andererseits aber beim Masturbieren in der Badewanne zu sehen ist, sorgt sie zwar dafür, dass die „Too many Shades of Grey“-Verfilmungen nicht mehr die dümmsten Filme in ihrer Vita sind. Ihrer Karriere erweist sie damit aber keinen Gefallen.
 
Anne Hathaway ist eine großartige Darstellerin. Ihre Leistungen in Filmen wie „Rachels Hochzeit“ und „Les Misérables“ sind noch höher zu bewerten, wenn man bedenkt, dass Frau Hathaway offensichtlich Analphabetin ist. Denn nur so ist es zu erklären, dass sie für jeden großartigen Film wie „Colossal“ mindestens ein halbes Dutzend unsäglich mieser Filme wie „Glam Girls“, „Im Netz der Versuchung“ oder eben nun „Verity“ dreht: die arme Frau hat nie gelernt Drehbücher zu lesen.
 
Soweit ich mich erinnere, sind die einzigen beiden halbwegs brauchbaren Filme, in denen wir Josh Hartnett je gesehen haben, vor über zwanzig Jahren „Sin City“ und vor drei Jahren „Oppenheimer“ gewesen. Mir fällt zumindest auf die schnelle kein Dritter ein. Das ist aber immer noch keine Entschuldigung für Hartnetts Mitwirkung an „Verity“.
 
Fazit
 
Die alljährliche Colleen Hover-Verfilmung bietet außen für Fans dieser Autorin für niemanden sonst Grund zur Freude. Unsinnige, prätentiöse Dialoge und eine lächerlich absurde Handlung lassen diesen Film zur Zeitverschwendung für die meisten Beteiligten und die allermeisten Filmfans werden.
 
 
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