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Kritik: Glennkill: Ein Schafskrimi

 
sub kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Nach unzähligen Kinderkrimis und jeder Menge Regionalkrimis erobern nun wohl auch die Tierkrimis die Leinwand …
 
But I would walk 500 miles …
 
Aus der Einladung zur Pressevorführung: „Schäfer George (Hugh Jackman) liest seinen geliebten Schafen jeden Abend Krimis vor und nimmt an, dass sie kein Wort davon verstehen. Doch als ein mysteriöser Vorfall das friedliche Leben auf der Farm durchbricht, wird den Schafen bewusst, dass sie selbst nun die Ermittlungen übernehmen müssen. Also folgen sie der Spur der Beweise und machen menschliche Verdächtige ausfindig. Dabei beweisen sie, dass auch Schafe brillant darin sein können, Verbrechen aufzuklären. Ein neuer, geistreicher Krimi der etwas anderen Art!
 
Tja, … nun, … ein Schafkrimi, … was soll man darüber schreiben? Ich meine, was soll man schon über einen Film schreiben, der damit beginnt, dass der MGM-Löwe statt zu brüllen nun wie ein Schaf mäht? Verzeihung, … ich habe mich nicht recht verständlich gemacht. Es muss heißen: was soll man schon über einen Film schreiben, der damit beginnt, dass der MGM-Löwe statt zu brüllen nun wie ein Schaf mäht und das ist dann auch schon der witzigste und originellste Moment des Films gewesen?
 
Ein neuer, geistreicher Krimi der etwas anderen Art!“ Naja, „neu“ ist daran gar nix. Krimis, in denen Tiere Verbrechen aufklären, gab es nun bereits mehrere. „Paddington“ allein war im Laufe des letzten Jahrzehnts schon mehrmals schneller und schlauer als die Polizei. Und wer nun einwendet, die Filme rund um den peruanischen Bären seien doch Kinderfilme, hat „Glennkill: Ein Schafskrimi“ noch nicht gesehen. Jedes einzelne Leinwandabenteuer der Pfefferkörner war deutlich härter als dieser Film. In jedem Film rund um die drei Fragezeichen, drei Ausrufezeichen, drei Kommata oder drei Semikola werden die Abgründe des menschlichen Daseins ganz allgemein und des Verbrecherdaseins im Speziellen sehr viel gründlicher und tiefer ausgelotet als in diesem Schafskrimi. Und jeder Film mit Hanni und Nanni, Bibi und Tina oder auch Pünktchen und Anton bietet mehr Spannung.
 
 
Wie „geistreich“ ist ein Film, dessen zweitbester Gag darin besteht, dass ein gieriger Schlachter die Schafe einer Herde zählt und dabei … Achtung! Jetzt kommts! … einschläft!? Was für ein Brüller! „Anders“ ist an diesem Krimi auch gar nix. Dieser Film existiert genau an der Schnittstelle zwischen „Paddington“, „Eberhofer“ und „Mord ist ihr Hobby“ (die älteren Leser*innen mögen sich noch an diese Fernsehserie von und für alte Leute erinnern, deren Filmversion übrigens bereits für 2028 angekündigt wurde).
 
Apropos „Fernsehserie“, … mit seiner plumpen Inszenierung und beschaulich dahinplätschernden Handlung, der man auch folgen kann, wenn man gleichzeitig am Smartphone surft, die Wäsche bügelt oder sich die Hornhaut von den Füssen raspelt, wirkt dieser Film sehr viel mehr wie der Auftakt zu einer passablen Fernsehserie und weniger wie etwas, das im Jahr 2026 im Kino laufen sollte. Regisseur Kyle Balda hat bisher nur Animationsfilme inszeniert, darunter auch „Minions“ von 2015. Leider hat er es nicht geschafft, auch nur das kleinste Bisschen von der ausgelassenen Energie oder der skurrilen Originalität der kleinen gelben Männchen in ihren blauen Latzhosen auf die kriminalistische Schafsherde zu übertragen.
 
And I would walk 500 more …
 
Auch mit seinen menschlichen Darsteller*innen wusste Regisseur Balda nur wenig anzufangen. Klar, Hugh Jackman wirkt in seinen wenigen Szenen wieder cool. Aber Hugh Jackman würde auch cool wirken, wenn er uns den Beipackzettel zu einem Entwurmungsmittel für Schafe vorlesen und sich dabei am Hintern kratzen würde. Der Mann kann doch gar nicht anders. Wir erinnern uns, ein paar Millionen Menschen weltweit haben erst vor ein paar Monaten gutes Geld ausgegeben, um den Mann als passablen Neil Diamond-Imitator gute zwei Stunden lang eine bestenfalls passable Perücke auf seinem Kopf balancieren zu sehen und fanden sogar das cool.
 
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Emma Thompson wirkt ebenfalls wieder cool, in einer Rolle, die sie schon in besseren und immer noch mittelmäßigen Filmen gespielt hat und für die ihr Drehbuchautor Craig Mazin keinen einzigen brauchbaren Gag geschrieben hat. Nicht einen. Keinen einzigen. Muss ja nicht sein. Emma Thompson ist ja bloß eine der witzigsten, unterhaltsamsten und ganz allgemein tollsten Schauspielerinnen der Welt. Nur weil das Studio (hoffentlich) viel Geld für ihre Mitwirkung an diesem leider wirklich langweiligen Film ausgegeben hat, heißt das ja noch lange nicht, dass sich der Drehbuchautor dann einen, nur einen, wenigstens einen einzigen halbwegs brauchbaren Gag für ihre Rolle einfallen lassen muss. Nö, das muss alles nicht sein.
 
Craig Mazin hat sich ja auch für die Rollen der anderen unterschiedlich bekannten Darsteller*innen auf der Besetzungsliste keinen einzigen halbwegs brauchbaren Gag einfallen lassen. Daher dürfen Nicholas Braun den unbedarften Polizeibeamten, Molly Gordon die verwirrte junge Frau in Not und Nicholas Galitzine ein weiteres unergiebiges Klischee zum Besten geben und das alles ohne dem Publikum einen einzigen witzigen Moment zu bieten. Und so sehen wir die göttliche Hong Chau (bekannt u.a. aus „Downsizing“, „The Whale“ oder „The Instigators“) zum ersten Mal in einem Film wirklich rein gar keine Wirkung entfalten.
 
Eine lange Liste großer Namen, darunter Julia Louis-Dreyfus, Chris O’Dowd, Bryan Cranston, Regina Hall, Sir Patrick Stewart, Bella Ramsey, Brett Goldstein und Rhys Darby, leiht den Schafen ihre Stimmen. Aber da das Drehbuch keine einzige witzigen Dialogzeile für die Schafe enthält, macht es auch nix, wenn in der deutschen Version die üblichen Verdächtigen wie Anke Engelke und Bastian Pastewka zu hören sind. Rick Kavanian ist tatsächlich nicht unter den Synchronstimmen und es drängt sich nun die Frage auf, ob er nach dem Kanu der unlustigen Fernsehkomiker keine Zeit für oder bloß keinen Bock auf unlustige Schafe hatte.
 
Fazit
 
„Glennkill: Ein Schafskrimi“ wirkt mit seiner uninspirierten Regie, seiner langweiligen Handlung und seinen leider witzlosen Dialogen wie die Schnittmenge unzähliger Kinderkrimis und jeder Menge Regionalkrimis. Sowas kann man sich daheim mal ansehen, während man sich zum Abendessen ebenso langweilige Tiefkühlkost reinschiebt. Aber eine Kinokarte muss sich dafür niemand kaufen.
 
 
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