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Kritik: Lee Cronin´s The Mummy

 
sub kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Uralter nordafrikanischer Dämon frisst sich in das Leben einer Familie.
 
Lost in Egypt
 
Selbst Hollywood-Superstar Tom Cruise kann mit seinem unbändigen Körpereinsatz einige Filme nicht vor dem Absturz bewahren. 2017 tauchte der „Mission: Impossible“-Darsteller in „Die Mumie“ auf, einer kruden Mischung aus Spukstreifen, Fantasy-Spektakel und Abenteuergeschichte, die nicht nur einem klassischen Horrorstoff neues Leben einhauchen sollte, sondern zugleich als Startschuss eines großen Leinwandgruselkosmos, ähnlich der Marvel-Reihe, geplant war. Mit dem sogenannten „Dark Universe“ wollte das Studio Universal hauseigene alte Monsterproduktionen auffrischen und teils lose verbinden. Da der von der Kritik verrissene Cruise-Beitrag an den Kinokassen unter Durchschnitt performte, wurde das Vorhaben jedoch wieder eingemottet.
 
Das Motiv einer einbalsamierten Leiche, die aus ihrem Sarkophag befreit wird und Unheil verbreitet, hat seit Karl Freunds „Die Mumie“ aus dem Jahr 1932 zahlreiche filmische Bearbeitungen erfahren. Bekannt ist heute vor allem die bislang dreiteilige Saga um den US-amerikanischen Schatzjäger Rick O'Connell (Brendan Fraser) und die britische Bibliothekarin und Ägyptologin Evelyn Carnahan (Rachel Weisz), die ein viertes, für 2028 anvisiertes Kapitel erhalten soll.
 
Vorher legt allerdings Lee Cronin eine Neuinterpretation des Mumienmaterials vor, bei der es der irische Filmemacher sogar mit seinem Namen in den Titel geschafft hat. Freunden des Horrorkinos dürfte der Regisseur und Drehbuchautor spätestens seit dem beinharten Schocker „Evil Dead Rise“ (2023) ein Begriff sein, mit dem er sich auf überzeugende Weise in das von Sam Raimi erschaffene „Tanz der Teufel“-Franchise einschrieb. Schon sein vorheriges Werk, das schaurige Mutter-Sohn-Stück „The Hole in the Ground“ (2019), ließ erkennen, dass der 1982 geborene Horrorfan Genrekonventionen und emotionale Extremsituationen eindringlich zu kombinieren weiß.
 
In „Lee Cronin’s The Mummy“ bricht die Welt der vorübergehend in Ägypten lebenden Familie Cannon von einem Tag auf den anderen zusammen, als Tochter Katie (Emily Mitchell) aus dem Garten des angemieteten Hauses verschwindet. Während die örtliche Polizei im Dunkeln tappt, kehren Vater Charlie (Jack Reynor), ein Fernsehjournalist, seine im Krankenwesen arbeitende, schwangere Ehefrau Larissa (Laia Costa) und Katies Bruder Sebastián (Dean Allen Williams) auf ihr einsam gelegenes Anwesen nahe Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico zurück, wo Larissas Mutter Carmen (Veronica Falcón) auf sie wartet.
 
 
Nichts für schwache Nerven
 
Acht Jahre später erhalten die Cannons dann einen unerwarteten Anruf aus Ägypten: Katie (jetzt verkörpert von Natalie Grace) wurde bei einem Flugzeugabsturz in einem Sarkophag entdeckt und befindet sich in einem katatonischen Zustand. Die offenbar von grausamen Ereignissen innerlich schwer gezeichnete Teenagerin benötige nun vor allem die Geborgenheit ihrer Familie, konstatiert der Arzt (Kurzauftritt des deutsch-türkischen Darstellers Tim Seyfi), der Charlie und Larissa in Empfang nimmt. Das Ehepaar bringt seine zurückgekehrte Tochter schließlich in die USA, wo Katie schnell ein beunruhigendes Verhalten an den Tag legt. Da wir es mit einem Horrorfilm zu tun haben, ziehen die Cannons – hinzugekommen ist seit Katies Verschwinden die jüngste Tochter Maud (Billie Roy) – aus den alarmierenden Geschehnissen im Haus lange Zeit keine Konsequenzen. Glaubwürdigkeit ist ein Maßstab, den man hier, wie so oft im Genre, nicht anlegen darf.
 
Die Mumienstory als stetig eskalierendes Drama einer traumatisierten Familie neu aufzulegen, ist ein spannender Ansatz. Mitunter fühlt sich „Lee Cronin’s The Mummy“ aber wie ein x-beliebiger Besessenheitsfilm an, auch wenn Katies Schicksal direkt in Verbindung mit einem uralten nordafrikanischen Dämon steht. Dieser wiederum ist mit einer ägyptischen Familie verknüpft, deren Leid das vom Regisseur verfasste Drehbuch sporadisch beleuchtet, ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Etwas holprig springt das Geschehen manchmal vom Cannon-Strang zu der in Kairo tätigen Polizistin Dalia Zaki (May Calamawy), die den Hintergründen des rätselhaften Vermisstenfalls nachspürt, wobei das ägyptische Setting stets ein bisschen hinterwäldlerisch inszeniert wird. Bahnbrechende Enthüllungen, so viel sei verraten, treten im Zuge der Ermittlungen nicht zu Tage, eher handelsübliche Genreelemente.
 
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Mit den schummrig ausgeleuchteten, fast dreckig wirkenden Bildern, über denen der Staub des bei Katies Verschwinden aufkommenden Sandsturms zu liegen scheint, erzeugt „Lee Cronin’s The Mummy“ eine bedrückend-trostlose Grundstimmung. Auch nach dem plötzlichen Auftauchen hellt die Atmosphäre keineswegs auf. Vielmehr stehen in der Luft hängende Schuldzuweisungen und unterschiedliche Ansichten über das weitere Vorgehen zwischen Charlie und Larissa. Auffällig ist, dass Lee Cronin dabei auf recht konservative Rollenzuschreibungen zurückgreift.
 
Während der Journalist mit dem Verstand arbeitet, sich auf Spurensuche begibt, ist seine Gattin für den emotionalen Part zuständig. Bedauerlicherweise verlieren wir Larissa ab einem gewissen Punkt mehr und mehr aus den Augen, was den Konflikt mit ihrem Mann abschwächt. Worauf der Film hinauswill: In einer von Trauer, Verzweiflung und Unsicherheit geprägten Situation wie der hier beschriebenen ist Kommunikation alles. Wer nicht miteinander redet, aneinander vorbeilebt, beschwört eine Katastrophe leichtfertig herauf.
 
In der Inszenierung des Schreckens bedient sich der Regisseur ausgiebig am Werkzeugkasten des Horrorkinos und macht uns von Anfang an klar, dass wir nicht bloß eine wohlig gruselige Mumienmär zu erwarten haben. Einen heftigen Splatter-Effekt gibt es schon im Prolog zu sehen. Und auch später serviert uns Cronin manch saftig-expliziten Schockmoment, für den es stärkere Nerven braucht. Wenn im letzten Drittel endgültig alle Dämme brechen, beißt sich das sicherlich ein wenig mit dem Anspruch, auch ein halbwegs ernst zu nehmendes Familiendrama zu schildern.
 
Fazit
 
Den letzten Mumienkinofilm mit Tom Cruise übertrifft „Lee Cronin’s The Mummy“ locker. Richtig ausgreift ist die mit einer Laufzeit von über 130 Minuten etwas aufgeblasene Neuinterpretation allerdings auch nicht.
 
 
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