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Kritik: Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes

 
sub kritik
 
Autor: Max Wrede
 
Mit seinem neuesten Film, der von „The Guardian“ bereits mit Kubricks „Uhrwerk Orange“ verglichen wird, überschreitet der Oscar-nominierte Regisseur Jan Komasa („Corpus Christi“, „The Change“) Genregrenzen. Und zwingt uns, neu zu verhandeln, was wir bereit sind, als „normal“ hinzunehmen. 
 
Albtraum in Ketten
 
Der 19-jährige Tommy (Anson Boon) genießt sein Leben als Krimineller, treibt seine Freunde immer wieder zu grausamen Gewalttaten an und prahlt damit auf Social Media – bis er eines Nachts von einem Fremden entführt wird. Als Tommy erwacht, findet er sich angekettet im Keller eines abgelegenen Vorstadthauses wieder, in dem sein Entführer Chris (Stephen Graham) mit seiner Frau Kathryn (Andrea Riseborough) und ihrem jungen Sohn Jonathan lebt. 
 
 
Rausch der Sinne
 
In ungeschönten Bildern von Kameramann Michał Dymek („A real Pain“, „Das Mädchen mit der Nadel“) katapultiert uns Regisseur Jan Komasa gleich zu Beginn in die dunkle Seite des Nachtlebens. Wir finden uns wieder in einem Bilderrausch aus Drogenkonsum, Sex und Extase. Ein Szenario bei dem Protagonist Tommy federführend ist. Mehr erfahren wir über die Hauptfigur nicht und werden wir auch nicht im Verlaufe des Films.
 
Und auch zunächst nicht unter welchen Umständen Thommy plötzlich angekettet im Keller eines eigenwilligen Hausbesitzers gelandet ist. Welcher zusammen mit seiner Frau nicht nur ihn, sondern ebenfalls einen minderjährigen Jungen namens Johnatan patriarchisch unter Kontrolle hält. Oder besser, wie Tommy, zu einem gehorsamen, wertetreuen Menschen umerziehen möchte.
 
Das alles zieht uns nicht nur in ergreifenden Bildern in den Bann, sondern lässt uns zunächst denken, die Hausbesitzer wären die eigentlichen Antagonisten. Wirkt streckenweise sogar etwas eintönig. Teilweise sogar verstörend, vor allem wenn wir miterleben dürfen, wie Johnathan, aber auch Tommy sanktioniert werden.
 
Entfaltet jedoch im Verlaufe des Films eine tiefenpsychologische Wirkung. Denn Komasa schafft durch eine dramaturgisch gekonnte Montage eindringliche Nähe. Und kehrt, obwohl wir die Biografien der Figuren nicht entdecken, deren Seelenleben nach außen.
 
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Perfekter Cast
 
Aber nicht nur der Regisseur, sowie die Drehbuchautoren Bartek Bartosik, sowie Naqqash Kahlid haben hier hervorragende Arbeit geleistet. Auch die Besetzung überzeugt durch Authentizität und schauspielerischer Höchstleistung.
 
Allen voran, Kit Rakusen, der Jonathan spielt. Er leistet trotz seines jungen Alters erstaunliches. Mit einer emotionale Tiefe, von der so mancher erwachsene Schauspieler durchaus lernen kann.
 
Jedoch nicht bei diesem Projekt. Denn mit britischen Newcomer Anson Boon ("The Winter Lake", "1917", "Blackbird") als Tommy hat man nicht nur optisch die perfekte Hauptfigur gefunden. Auch bei dessen Verkörperung durch ihn ist er zu Höchstform aufgelaufen.
 
Ebenso Andrea Risenborough ("Die Fotografin") als Kathryn, sowie Stephen Graham ("Venom: The Last Dance") als Chris. Sie verkörpern das gruselige, patriarchische Ehepaar perfekt. Als Hausmädchen Rina, dürfen wir uns außerdem auf die polnische Schauspielerin Monika Frajczyk freuen.
 
Fazit
 
Mit GOOD BOY ist Jan Komasa ein Mystery-Thriller gelungen, der unter die Haut geht. Und den man so schnell nicht mehr vergisst.
 
 
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